Letztes Feedback

Meta





 

zwangsadoption in der DDR , und der versuch aufklärung zu betreiben

Grausame, menschenverachtende Praxis der DDR: Zwangsadoptionen. ddr zwangsadoptionen grausame schicksale sozialismus Es geschah am frühen Morgen des 7. Februar 1972 in Gera, Thüringen: Ein Hämmern an der Tür reißt Katrin Behr, ihren Bruder und ihre Mutter aus dem Schlaf. Fünf Männer in dunklen Mänteln und eine Frau drängen in die Wohnung. Mitkommen! Sofort! Die Mutter hetzt die Kinder in ihre Hosen und Mäntel, zerrt sie an der Hand mit vor die Tür. Gedrängt von den Begleitern und unter den Augen von Passanten geht es weiter zum nahen Marktplatz, wo zwei Dienstwagen warten. Doch die Kinder dürfen gar nicht einsteigen. Das letzte, an das Katrin Behr sich erinnert, ist, wie sie weinend von ihrer Mutter getrennt und diese in Handschellen in ein Auto geschoben wird. Die Mutter ruft: "Wir sehen uns heute Abend wieder." Dann fährt das Auto los. Die Tochter ist zu dieser Zeit viereinhalb Jahre alt. Es wird 19 Jahre dauern, bis sie ihre Mutter wiederfindet. Katrin Behr kommt ins Heim, wird von ihrem siebenjährigen Bruder getrennt. Eine Ärztin nimmt sie zu sich, gibt sie wieder ab. 1975 wird sie adoptiert, von einer Lehrerin und SED-Parteisekretärin, die peinlich auf Außenwirkung achtet, ihren eigenen Sohn vorzieht und für die Adoptivtochter strenge Hausarbeitspläne aufstellt. Zuhause hört sie, ihre leibliche Mutter sei "eine Staatsverräterin", in der Schule meiden Kinder sie wegen des Parteiamtes ihrer Adoptivmutter. Diese Zerrissenheit, das völlige Fehlen eines inneren Kompasses sei das Hauptproblem vieler Zwangsadoptierter, sagt Behr. Sie hat Jahre gezögert, ihre Geschichte aufzuschreiben. Weil sie Angst hatte, das alles erneut an sich heranzulassen. Und weil sie fand, "dass es viele Betroffene gibt, denen es schlechter ging als mir." Sie hat ein Internetforum für Opfer von Zwangsadoptionen eingerichtet, über das diese nach Eltern, Kindern und Geschwistern suchen können. Die Geschichten dort lesen sich wie ein Handbuch der seelischen Grausamkeit. Es geht um Mädchen, die unter dem Vorwand einer ärztlichen Untersuchung in Heime verschleppt wurden und denen man sagte, ihre Eltern seien bei einem Unfall ums Leben gekommen. Um Mütter, denen Ärzte noch im Kreißsaal erzählten, ihr Baby sei bei der Geburt gestorben, "unser Beileid". Die Leiche sei zu Forschungszwecken freigegeben, einen Totenschein gebe es nicht, eine Beerdigung auch nicht. Von Vätern ist die Rede, die ihre Kinder nach versuchter Republikflucht verloren und sie bis heute nicht sehen dürfen. Die Fälle sind oft verworren, sehr verschieden gelagert und vor allem - schwer nachvollziehbar. "Die DDR-Bürokratie hat Spuren von Unrecht stets hervorragend verwischt", sagt der Politologe Uwe Hillmer vom "Forschungsverbund SED-Staat" an der Freien Universität Berlin. Ob eine Adoption erzwungen wurde und wie diese ablief, sei im Einzelfall kaum zurückzuverfolgen. Das ganze System basierte auf Uneindeutigkeit. Mit den Fällen waren konkurrierende Behörden gleichzeitig befasst, in welchen Akten sich entscheidende Hinweise finden, sei oft unklar, "und viele Akten sind in den letzten Tagen der DDR einfach verschwunden", sagt Hillmer. Wenn ein Einverständnis zur Adoption nur durch Täuschung der Eltern zustande kam oder erpresst wurde, lässt sich das heute nur selten beweisen. 1050 Suchanfragen hat Behr bereits registriert, die tatsächliche Zahl der Betroffenen zu schätzen, sei unseriös, es gebe viel Forschungsbedarf, sagt sie. Persönlich glaubt Behr an "mehrere Tausend". In 225 Fällen konnten Angehörige ausfindig gemacht werden. Doch sie weiß auch, dass das ersehnte Happy-End mit dem Wiedersehen nicht eintritt. Als Behr 1991 ihre leibliche Mutter wiederfand, träumte sie von großer Familienzusammenführung, "bei der sich alle toll verstehen". Beim ersten Treffen kam es zum Eklat. "Ihr habt mir mein Kind gestohlen, ihr roten Schweine", schrie ihre Mutter die Adoptiveltern an. Bis heute ist Behr hin- und hergerissen zwischen zwei Müttern und Brüdern. Versöhnung, Bruch, Versöhnung, wieder Bruch. Derzeit ruht der Kontakt zur Adoptivfamilie. Aus: www.sueddeutsche.de/leben/zwangsadoption-in-der-ddr-wir-sehen-uns-heute-abend-wieder-1.1145079

20.4.12 03:07

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen